Medientipps

Hier bieten wir regelmässig unseren Favoriten eine Plattform – Bücher, die man lesen sollte, Filme, über die man diskutiert, aber auch Hörbücher, die herausfordern und unterhalten. Diskutieren Sie mit!

Kraft

Jonas Lüscher – «Warum ist alles, was ist, gut – und wie können wir es dennoch verbessern?» Das ist die Frage, die Kraft für einen akademischen Wettbewerb beantworten muss. Um seiner zerrütteten Ehe und anderen Miseren zu entkommen, muss er unbedingt das Preisgeld ergattern.   Wer sich nicht von der komplexen Aufgabenstellung abhalten lässt, wird reich belohnt: Lüscher paart Satire mit Systemkritik und erzählt furios – etwa wie Kraft im Silicon Valley sinnbildlich im Skiff durch den Nebel navigiert und schliesslich im Sumpf strandet. Tief gründet der Stoff – doch die Lektüre: ein Vergnügen.
Bibliothek Wabern- Martina Fierz
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Herr Brechbühl sucht eine Katze (Menschliche Regungen ; Bd.1)

Tim Krohn – Ich liebe gut gemachte Fernsehserien und verfalle nur allzu gerne ihrer Sogwirkung – denselben Effekt verspricht der neue Roman von Tim Krohn. In 65 kurzen Episoden erzählt er vom Leben in einem genossenschaftlich organisierten Block in der Stadt Zürich. Das Haus beherbergt die unterschiedlichsten Leute, vom pensionierten Tramchauffeur bis zum kleinen Mädchen und seiner Mutter. Anhand ihrer Schicksale verfolgt Krohn das ehrgeizige Projekt eine Enzyklopädie über Gefühle und Befindlichkeiten in unserer Gesellschaft zu erstellen. Die Episoden mögen alltäglich sein, aber nicht ohne Dramatik und vor allem sind sie gut geschrieben. Schon bald sind wir mit den Figuren vertraut und erkennen uns vielleicht selbst im typisch schweizerischen Alltag.
Bibliothek Köniz, Sabine Huser
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Licht und Zorn

Lauren Groff – Lotto sieht Mathilde und es ist um ihn geschehen. Zwei Wochen später heiraten sie. Bis dass der Tod sie scheidet. Tatsächlich. – In einer vor Energie pulsierenden Sprache wird das Bild einer Ehe beschrieben, hinter deren Glanz sich schleichend etwas Dunkleres offenbart. Zuerst wird Lottos Geschichte erzählt, seine Strahlkraft und Präsenz sind allgegenwärtig. Die eigentliche Überraschung  ist aber der zweite Teil des Romans, in dem es um Mathilde  geht. Sie kämpft zornig gegen die Finsternis in sich. Es ist zu beider Glück, dass sie nicht  alles voneinander wissen. – Ein Roman mit hohem Pulsschlag, unbedingte Leseempfehlung!
Bibliothek Niederscherli, Uta Scharfenberger
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Gestorben wird immer

Alexandra Fröhlich – Agnes ist 91, hielt über Jahrzehnte hinweg die Fäden zusammen, im Hamburger Grabsteinmetzgeschäft wie auch in der Familie, doch nun will sie zurück in ihre Heimat Ostpreussen. Zuerst will sie aber reinen Tisch machen, und so erzählt sie ihrer Familie, was sie über Jahre hinweg belastete. Denn: «Vielleicht kann man irgendwann verzeihen, wenn man nur erst einmal verstanden hat. » Alexandra Fröhlich breitet eine vielschichtige Familiengeschichte über 70 Jahre hinweg aus. Da kommt einiges zusammen, familiäres und zeitgeschichtliches. Das Buch liest sich flüssig, und trotz schweren Themen bleibt die Lektüre heiter und unterhaltsam.
Bibliothek Wabern, Isabel Müller
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Happy Vally. In einer kleinen Stadt. Staffel 1 und 2

happyswSally Wainwright (Regie) – “Ich bin geschieden, ich lebe mit meiner Schwester zusammen, die heroinabhängig war, ich habe zwei erwachsene Kinder, von denen das eine tot ist und das andere nicht mehr mit mir spricht.” So spricht die Polizistin Catherine Cawood deeskalierend zu einem drogensüchtigen Lebensmüden in einer nordenglischen Kleinstadt. „Happy Valley“ ist der zynische Name für einen Ort, wo Drogen in einem Eiswagen verkauft werden, die Arbeitslogkeit hoch ist und die meisten keine Zukunft haben. – Ein düsteres Bild einer aus den Fugen geratenen Welt, hervorragend gespielt, mit vielen interessanten Frauenfiguren, allen voran die gebrochene, aber unerschrockene Polizistin Catherine. Sehr empfohlen!
Bibliothek Köniz, Maja Mores
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EBook Tipp: Wie wir alt werden, ohne zu altern
Gregor Eisenhauer – Der Autor beschäftigt sich im Buch nicht mit dem unweigerlichen Verfall unseres Körpers und auch nicht mit Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz. Ihm geht es um die allmähliche Verholzung unseres Denkens, die uns so schnell so viel älter werden lässt, als wir es wirklich sind. Das Brett vor dem Kopf ist meist selbstgezimmert. In sieben Kapiteln zeigt er, wie wir die Fallen des Alterns erkennen. Denn eins kann auch er nicht versprechen: die ewige Jugend.
Albert und der Baum

Jenni Desmond – Albert der Bär erwacht aus seinem Winterschlaf und freut sich riesig, seinen Lieblingsbaum wieder zu sehen. Doch als Albert es sich auf seinem Lieblingsast bequem machen will, hört er den Baum weinen. Das verwirrt den Bären sehr. Er möchte den Baum aufmuntern, weiss aber nicht wie. Seine Freunde sollen ihm helfen, doch der Baum weint nur noch herzzerreissender. Da umarmt Albert seinen Lieblingsbaum ganz zart und fragt leise: „Warum weinst du, Baum?“ – Eine berührende Geschichte und wunderschön illustriert – Jenni Desmond ‘s Werk überzeugt rundum bis zur Rätsels Lösung, das ein Lachen garantiert.
Bibliothek Niederwagen Michaela Kessler
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